Chronik
Vereins-Geschichte 1894 - 1977
Es war die Zeit des großen Umbruchs in Frankenberg. Man hatte seit dem 1.Juli 1890
mit der neuen Bahnlinie Sarnau-Frankenberg den Anschluß an die große Welt
gefunden. Als erster Industriebetrieb siedelte sich 1890 die bekannte Stuhlfabrik
Thonet in Frankenberg an. Am
2. Februar 1890 wurde in der Fabrik die „elektrische Flamme“ entzündet (Das
elektrische Licht kam aber erst 1903 in die Haushalte). Den täglichen Wasserbedarf
holte man sich aus Kümpen und Brunnen. Diese wurden erst 1900 durch eine
zentrale Wasserversorgung mit einem Hochbehälter auf dem Burgberg abgelöst.
In dieser Zeit der Veränderungen war man in Frankenberg auch der
Wanderbewegung gegenüber aufgeschlossen. In Marburg war am 8. März 1894 der
Oberhessische Touristenverein gegründet worden. Dieser warb in größeren Orten
Oberhessens wie Amöneburg, Battenberg, Frankenberg, Frankenau, Gemünden,
Gladenbach, Hatzfeld, Jesberg, Kirchhain, Neustadt, Rauschenberg, Schweinsberg,
Vöhl und Wetter, um Bildung von Zweigvereinen.
Die Ansprechpartner in Frankenberg waren: Amtsrichter Cellarius, Rektor Heinrich
Schenk, Landesrentmeister Gatterdam und Apotheker Lins. Heinrich Schenk war
Vorsitzender des Tierschutz- und Verschönerungsvereins Frankenberg und bemühte
sich, die Verhältnisse in seiner Heimatstadt zu verbessern.
Der Tierschutz- und Verschönerungsverein wurde am 14. Juni 1874 gegründet.
Vorsitzender Rektor Heinrich Schenk wollte mit diesem Verein sich dem
Oberhessischen Touristenverein anschließen. Aber es kam anders; dem Tierschutz-
und Verschönerungsverein wurde nicht auch noch eine Touristenabteilung
angehängt. Es wurde beschlossen, einen besonderen Touristenverein als Zweigverein
zu bilden.
Gründung des Touristenvereins Frankenberg 1894
In der Generalversammlung am 13. April 1894 fanden sich sogleich 17 Personen, die
den Verein gründeten. Man entschied sich, als Zweigverein, für den Oberhessischen
Hauptverein in Marburg.
Damit war die vereinsmäßige Wanderbewegung in Frankenberg ins Leben gerufen.
Bereits am 20. April 1894 fand die erste Mitgliederversammlung im Hotel
Schmidtmann statt. Der Verein zählte schon 50 Mitglieder. In den Vorstand des
Vereins wurden gewählt:
Rektor Heinrich Schenk, Vorsitzender
Bürgermeister Rohrmann
Amtsrichter Cellarius
Oberförster Weis
Rentier Hassencamp
Die erste Wanderung (30 Kilometer) des Vereins fand am 9. Mai 1894 mit 23
Mitgliedern ins Lengeltal statt.
Es war eine reine Männerrunde. Frauen waren bei den Wanderungen noch nicht
zugelassen.
Nach einer feuchtfröhlicher Rast in Allendorf/Hardtberg (Gunst’schen Gastwirtschft)
und der zweiten Rast in Geismar (Hecker’schen Gastwirtschaft) trafen in heiterster
Stimmung die Wanderer gegen 22 Uhr in Frankenberg ein.
Neuer Vorstand 1895
In der Generalversammlung am 5. März 1895 wurde der Vorstand neu gewählt:
Rektor Schenk
Amtsrichter Cellarius
Oberförster Weis
Bankier Hassencamp
Sekretär Ueberschaer
Betreuungsgebiete
Der Hauptausschuß des Oberhessischen Touristenvereins verteilte am 16. April 1895
die Arbeitsgebiete auf die einzelnen Zweigvereine wie folgt:
1.
Biedenkopf: Sackpfeife mit Johanniskopf
2.
Marburg und Wetter: Südlicher Burgwald bis Christenberg
3.
Frankenberg: Nördlicher Burgwald.
Austritt aus dem Oberhessischen Touristenverein am 26. Juni 1898
In der Mitgliederversammlung des Frankenberger Touristenvereins am 4.März 1898
hielt man das bisherige Verfahren, der Zahlung an den Hauptverein mit der
anschließenden gezielten Rückgabe an bestimmte Vereine für bestimmte Zwecke
nicht für gerecht. Man wollte die vorhandenen Mittel direkt für Wegemarkierungen
und dergleichen verwenden. Es wurde beschlossen, einen entsprechenden Antrag
beim Hauptverein einzubringen und notfalls aus dem Oberhessischen
Touristenverein auszutreten.
Dieser Antrag wurde bei der Versammlung der Zweigvereine des Oberhessischen
Touristenvereins am 26.Juni 1898 eingebracht. Es wurde vorgeschlagen, nur 15 bis 20
Pfennig je Vereinsmitglied an den Hauptverein zur Bestreitung der allgemeinen
Unkosten zu zahlen. Die Wegemarkierung und der Bau von Hütten und dergleichen
sollte von jedem Verein selbst getragen werden. Gleichzeitig wurde der Austritt bei
einer Ablehnung des Antrages angedroht. Der Frankenberger Verein wollte alsdann
seine Kasse selbst verwalten. Der Antrag wurde als satzungsmäßig nicht ausreichend
begründet zurückgewiesen. Es erfolgte keine Abstimmung, und damit war der
Frankenberger Touristenverein nicht mehr als Zweigverein im Oberhessischen
Touristenverein.
Die Frankenberger Wanderer setzten ihre Wandertätigkeit fort und markierten mit
ihren eigenen Mitteln Wege, insbesondere im Lengeltal und zum Traddelkopf bei
Frankenau.
In der Frankenberger Mitgliederversammlung vom 6. Februar 1899 wurde
beschlossen, den „Touristenverein“ in „Wanderverein“ umzubenennen.
In der Mitgliederversammlung am 31. Januar 1901 wurden im Vorstand
bestätigt:
Forstmeister Weis
Rektor Schenk
Kreisausschußsekretär Ueberschaer
Sparkassenrendant Schade
Buchdruckereibesitzer Kahm
Der Begründer des Frankenberger Wandervereins und langjährige Vorsitzende
Rektor Heinrich Schenk erkrankte und starb am 16. Oktober 1911.
Zweigverein im Sauerländischen Gebirgsverein (SGV)
1912 bis 1923
Am 19. März 1912 fanden sich die Mitglieder des Wandervereins im „Goldenen
Engel“ ein und beschlossen, den seitherigen Verein weiter bestehen zu lassen, die
Vereinstätigkeit neu zu beleben und den Wanderverein dem Suerländischen
Gebirgsverein als Abteilung Frankenberg anzugliedern. Pro Mitglied sollten an die
Zentralkasse des SGV jährlich 1,50 Mark abgeführt werden. Der Vereinsbeitrag
wurde auf 2 Mark festgesetzt.
In den Vorstand wurden gewählt:
Rendant Heinrich Schade als Vorsitzender
Amtsrichter von Hindenburg als zweiter Vorsitzender
Oberpostassistent Nolte als Schriftführer und
Gen.-Kommissionszeichner Brehmer als Kassenführer.
Unterbrechung durch den ersten Weltkrieg 1914 bis 1920
Die Wandertätigkeit wurde bis zum Kriegsbeginn eifrig fortgesetzt. Am 21.April
1914 wurde anstelle des durch Versetzung ausgeschiedenen Amtsrichter von
Hindenburg der Privatier W. Meyer zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Es wurde
nicht mehr gewandert.
Am 23. November 1915 wurde berichtet, dass der „Niederhessische Touristenverein
in Cassel“ seinen Namen in „Hessischer Gebirgsverein“ zur „Verdeutschung“
ändern wollte.
Offiziell geschah dies am 4. Juni 1916.
Von 1914 bis 1920 wurden durch den ersten Weltkrieg keine Wanderungen
durchgeführt.
Schwierige Nachkriegszeit 1920 bis 1923
Der Krieg war zu Ende. Es war ein schwieriger Neubeginn. Am 1.Dezember 1920
fanden sich die Wanderer wieder zusammen und beschlossen, den Verein im
Sauerländischen Gebirgsverein fortbestehen zu lassen. Die erste Wanderung führte
mit 11 Herren und 5 Damen zur Sackpfeife. Die Mitgliederzahl ging weiter zurück.
1922 wurde dazu aufgerufen, nicht nur den Mitgliedsbeitrag zu zahlen, sondern
auch zu wandern. Der Jahresbeitrag wurde am 19.April 1922 auf 10 Mark angehoben,
wovon 6 Mark an den SGV abgeführt werden mussten. Da Bahnfahrten teuer waren,
wurde in erster Linie von Frankenberg aus gewandert.
Neuer Vorstand im Jahr 1922:
Hauptrendant  a. D. Schade, 1. Vorsitzender
Bankvorsteher Vollmar, Kassenführer
sonst keine weiteren Vorstands-Mitglieder genannt
1923 bestand der Verein noch. Bald danach fiel er jedoch der Inflation und den
allgemeinen Zeitumständen zum Opfer.
Neuer Verein im Hessischen Gebirgsverein (HGV) 1927
Am 23. November 1927 wurde im Frankenberger Gasthaus „Zur Sonne“ eine
Ortsgruppe des Hessischen Gebirgsverein Kassel gegründet.
Gründungsmitglieder und Wanderer waren:
Kreisinspektor Karl Gerlach (führte vorläufig die Geschäfte der Ortsgruppe)
Kreisamtsgehilfe Franz Bornkessel als Vorsitzender, Wilhelm Ritter, Wilhelm
Ortwein, Theodor Stöber, Joseph Stöber, Studienrat Dr. Quentin, Studienrat
Kleeberg, Wilhelm Sieges, Wilhelm Dehnert, Daniel Breßler, Heinrich Duchhardt
und Heinrich Maurer.
Leider betrieb dieser Verein keine Öffentlichkeitsarbeit.
An der ersten Wanderung im Jahre 1927 beteiligten sich 60 bis 80 Personen; später
bildete sich ein Wanderer-Stamm von etwa 20 Personen.
Am 9. Juni 1929 änderte sich der Name des Hauptvereins von „Hessischer
Gebirgsverein“ (HGV) in „Hessisch- Waldeckischer Gebirgsverein“ (HWGV).
Am 25.Februar 1930 verstarb der Mitbegründer und erster Vorsitzende der
Ortsgruppe Frankenberg, Franz Bornkessel, im 53. Lebensjahr. An seine Stelle trat
der bisherige zweite Vorsitzende Wilhelm Ritter. 
                                                     
                       Franz Bornkessel                                        Wilhelm Ritter
                      Vorsitzender  von                                      Vorsitzender  von
                         1928 bis 1930                                            1930 bis 1934
Text und Bild aus unserer Festschrift: “100 Jahre Wandern in Frankenberg” im Jahr 1994
von Helmut Wissemann (1. Vorsitzender 1990 - 1996)